Ethereum und MakerDAO im Clinch: Warum Vitalik all seine MKR Coins verkauft hat

In der Welt des dezentralen Finanzwesens (DeFi) nehmen die Spannungen zu. Ausgerechnet zwischen dem größten dezentralen Stablecoin-Protokoll MakerDAO und der breiteren Ethereum-Gemeinschaft fängt es an zu kriseln. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht der Vorschlag, Solana, eine Blockchain, die für ihre Skalierbarkeit bekannt ist, als Grundlage für die zukünftige Appchain-Migration von MakerDAO zu verwenden. Ein Vorschlag, der Vitalik Buterin überhaupt nicht schmeckt.

Ethereum-Gründer kehrt MakerDAO den Rücken zu

Vitalik Buterin nahm den Vorschlag Solana, einen direkten Konkurrenten von Ethereum zu forken, gar nicht gut auf. Scheinbar entrüstet hat er seine 500 MKR Coins für 353 ETH im Gegenwert von rund 580.000 $ verkauft. Offenbar als Reaktion auf diesen kontroversen Schritt seitens MakerDAO.

Buterin hörte damit jedoch nicht auf; er machte sich auf dem Discord-Server von Reflexer bemerkbar, einer Plattform, die RAI, einen Konkurrenten zum DAI-Stablecoin von MakerDAO, entwickelt. Hier sprach er sich dafür aus, dass Reflexer angesichts des bevorstehenden Ausstiegs von Maker aus dem Netzwerk kleinere Liquid Staking Tokens (LSTs) einführen sollte, um seinen Anteil am Stablecoin-Sektor von Ethereum zu erhöhen.

Aber warum sollte MakerDAO überhaupt Solana forken wollen? Um das ganze Bild zu verstehen, müssen wir uns kurz mit dem Konzept der “technischen Schuld” befassen.

MakerDAO’s technische Schulden

Technische Schulden sind eine Metapher, die in der Softwareentwicklung verwendet wird, um die langfristigen Kosten zu beschreiben, die entstehen, wenn in der Anfangsphase eines Projekts Abkürzungen genommen oder suboptimale Entscheidungen getroffen werden. Ähnlich wie finanzielle Schulden, die im Laufe der Zeit verzinst werden, häufen sich technische Schulden durch übereilte Entscheidungen bei der Programmierung, durch vorübergehende Korrekturen oder durch die Bevorzugung unmittelbarer Gewinne gegenüber langfristiger Stabilität an. Schließlich müssen diese Schulden durch umfangreiche Überarbeitungen und Refactoring zurückgezahlt werden, was kostspielig und zeitaufwendig sein kann.

Im Zusammenhang mit MakerDAO stehen die technischen Schulden für die über die Jahre angesammelten Herausforderungen und Ineffizienzen innerhalb des Protokolls. Diese Probleme haben einen kritischen Punkt erreicht, der eine größere Überarbeitung, bekannt als “Endgame”, erforderlich macht.

Das Endgame enthüllt

Der umstrittene Mitbegründer von MakerDAO, Rune Christensen, enthüllte seine Vision für das “Endgame” in einem Blogbeitrag am 1. September. Dieser große Plan beinhaltet die Migration von MakerDAO zu einer eigenen Appchain, die auf einer Abspaltung der Solana-Blockchain-Codebasis basiert.

Christensen begründete diese Entscheidung mit der Skalierbarkeit von Solana, der Sicherheit durch mehrere Clients und der erwiesenen Widerstandsfähigkeit. Er verwies auch auf den Präzedenzfall, den andere Projekte geschaffen haben, die erfolgreich Solana-Forks als dedizierte Appchains eingeführt haben.

Dieser Schritt ist Teil der umfassenderen Strategie von MakerDAO, die angehäuften technischen Schulden innerhalb des Protokolls anzugehen. Christensen glaubt, dass diese dedizierte Appchain, die er als “NewChain” bezeichnet, es MakerDAO ermöglichen wird, die technischen Schulden der letzten acht Jahre systematisch anzugehen und jede Komponente des Protokolls gezielt umzubauen, um es an das endgültige, permanente technische Design von Endgame anzupassen.

Die Umsetzung dieses ehrgeizigen Plans soll allerdings mit einem erheblichen Zeitrahmen verbunden sein. Christensen schätzt, dass der Start der Appchain frühestens in drei Jahren erfolgen wird, was die Komplexität der anstehenden Aufgabe unterstreicht.

Der Aufstieg der Appchains

Das kleine Drama zwischen MakerDAO und Ethereum spiegelt einen breiteren Trend im Blockchain-Bereich wider: die zunehmende Popularität von Appchains. Appchains bieten eine Alternative für das Hosting von Anwendungen, die schnelle, kostengünstige Transaktionen und einen hohen Durchsatz erfordern.

So hat die dYdX-Community vor kurzem Pläne zur Migration von Ethereum zu einem Cosmos-basierten Layer 1 formuliert, was ein wachsendes Interesse von größeren DeFi-Applikationen auf Ethereum an Appchains unterstreicht.

Darüber hinaus nutzt Lens, ein von Aave entwickeltes dezentrales Social-Media-Protokoll, Momoka, eine durch Ethereum gesicherte Layer-3-Appchain.